Bedeutungen

Talismane zum Schutz

Augen, die zurückblicken, zum Segen erhobene Hände, Knoten und Netze, die auffangen, was nicht hindurch soll: wie Menschen überall dem Wunsch, behütet zu sein, eine Gestalt gegeben haben.

Schutz ist wohl der älteste Wunsch, den Menschen je einem Talisman anvertraut haben. Von ägyptischen Gräbern über neapolitanische Hosentaschen bis zu den Wiegenbrettern der Ojibwe haben sie Augen, Hände, Knoten und Steine geformt, die über die Dinge und Menschen wachen sollen, die sie lieben.

Ein alter, gemeinsamer Wunsch

Lange bevor jemand über Talismane schrieb, gab man sie den Toten mit ins Grab und band sie den Kindern um. Die Sorgen dahinter waren zutiefst menschlich: Neid, Unfälle, eine gefährliche Reise, Unheil, das in der Nacht kommen könnte. Ein schützender Gegenstand verwandelte diese Sorge in etwas, das man in der Hand halten, aufhängen oder verschenken konnte.

Die Wissenschaft nennt solche Gegenstände , und viele von ihnen beruhen auf ein paar klugen Gedanken. Ein Auge erwidert den neidischen Blick, eine erhobene Hand sagt Halt. Ein Knoten, ein Netz oder ein Loch lässt Gutes hindurch und hält den Rest zurück. Eisen und Spiegeln sagt man nach, sie schickten Schaden dorthin zurück, woher er kam.

Jedes Schutzamulett ist im Kern ein sichtbar gewordener Wunsch, dass ein Mensch behütet bleibt.

Vom Nil bis ans Mittelmeer

Das Horusauge gehört zu den frühesten. Die Ägypter nannten es (auch Wedjat), das unversehrte, vollständige Auge, nach dem Mythos, in dem das verletzte Auge des Gottes wiederhergestellt wurde. Amulette aus Fayence, Karneol und Gold trugen die Lebenden, und den Toten legte man sie zwischen die Mumienbinden.

Ihm zur Seite steht der Skarabäus, der heilige Käfer der aufgehenden Sonne. Herzskarabäen legte man den Toten auf die Brust, kleinere trug man als Ringe oder benutzte sie als Siegel.

Rund um das Mittelmeer und im Nahen Osten folgt die blaue Glasperle gegen den bösen Blick einem verwandten Gedanken. Sie ist nicht der schädliche Blick selbst, sondern ein Auge, das ihm begegnet, und soll den Neid auffangen, bevor er sein Ziel erreicht. Von Griechenland bis in die Türkei sieht man sie an Babykleidung, Autospiegeln und Haustüren.

Die Hamsa, eine offene Hand, oft mit einem Auge in der Handfläche, wird in Nordafrika und im Nahen Osten von Muslimen, Juden und Christen geschätzt. Ihr Name geht auf das arabische Wort für fünf zurück. Man trägt sie als Anhänger oder hängt sie neben die Tür, als Zeichen des Segens und der Abwehr.

In Neapel soll der rote Cornicello, ein kleines gedrehtes Horn, den bösen Blick abwehren. Viele Neapolitaner glauben, dass er am meisten zählt, wenn man ihn geschenkt bekommt, statt ihn sich selbst zu kaufen.

Römische Mädchen trugen die Lunula, einen Anhänger in Form einer Mondsichel, so wie ihre Brüder eine Bulla trugen. Meist legten sie die Lunula um die Zeit der Hochzeit ab.

Das Sator-Quadrat schützte mit Worten statt mit Bildern. Seine fünf lateinischen Wörter lesen sich in vier Richtungen gleich, und schon vor 79 n. Chr. ritzte man das Rätsel in Wände Pompejis. Viel später schrieb man es auf Mauern und Holzscheiben, in Deutschland vor allem als Schutzzeichen gegen Feuer.

Das Pentakel, ein in einem Zug gezeichneter fünfzackiger Stern, oft von einem Kreis umschlossen, war bei den Pythagoreern ein Sinnbild der Gesundheit und Ganzheit und später ein Schutzsiegel in den Grimoires der Renaissance. Heute ist es außerdem für viele Neuheiden ein heiliges Symbol.

Der vielleicht einfachste Schutz von allen ist ein rotes Armband, ein roter Faden, ums Handgelenk gebunden. Man kennt es im jüdischen, hinduistischen, buddhistischen und christlichen Volksbrauch und weit darüber hinaus, und meist bindet es jemand um, dem die Trägerin oder der Träger am Herzen liegt.

Hüter des Nordens

In Irland flicht man um den 1. Februar, das Fest der heiligen Brigid, ein Brigidkreuz aus Binsen und hängt es im Haus auf. Das neue Kreuz soll den Haushalt im kommenden Jahr vor Feuer und Unheil bewahren.

Ein Hühnergott, im Deutschen auch Hexenstein, in Britannien hag stone genannt, ist ein Kiesel mit einem natürlichen Loch, oft vom Meer ausgewaschen. In ganz Britannien und Nordeuropa hängte man solche Steine an Türen, Betten und Booten auf, im Glauben, dass nichts Böses durch das Loch gelangen könne.

Die Skandinavier der Wikingerzeit trugen kleine Anhänger in Gestalt von Mjölnir, dem Hammer des Gottes Thor, der Götter und Menschen gegen die Riesen verteidigte. Solche Anhänger hat man in der ganzen nordischen Welt gefunden.

Der isländische Vegvísir ist jünger als sein Ruf. Verzeichnet ist er in einer Handschrift aus der Zeit um 1860, und dort heißt es, wer das Zeichen bei sich trage, verirre sich nicht in Sturm und Unwetter.

Asien und Amerika

In Südchina und Hongkong hängt man einen Bagua-Spiegel, umrahmt von den acht Trigrammen, über eine Außentür. Er soll schädliche Einflüsse dorthin zurückwerfen, woher sie kommen, und zeigt deshalb immer nach außen.

Japanische Omamori sind kleine Brokatbeutel aus Shinto-Schreinen und buddhistischen Tempeln, und in jedem liegt ein Zettel mit einem Gebet oder einem heiligen Namen. Es gibt Omamori für Reisen, Lernen und Familie, und traditionell bringt man sie nach etwa einem Jahr zurück.

Der Traumfänger geht auf die Ojibwe zurück, die kleine Reifen mit einem Netz aus Sehnen oder Pflanzenfasern an das Wiegenbrett eines Babys hängten. So wie ein Spinnennetz alles festhält, was es berührt, fange das Amulett, so hieß es, Unheil auf, bevor es das Kind erreiche. Wenn Sie einen Traumfänger möchten, suchen Sie nach Stücken von Kunsthandwerkern der Ojibwe und anderer indigener Völker.

Einen Schutztalisman wählen

Die meisten Schutztraditionen verlangen Sorgfalt, nicht Vollkommenheit. Bewahren Sie das Stück dort auf, wo man es sieht, an der Tür oder dicht am Körper, und behandeln Sie einen heiligen Gegenstand so, wie es seine eigene Gemeinschaft tut. Viele Menschen finden, dass ein Talisman am meisten bedeutet, wenn er von jemandem kommt, der es gut mit ihnen meint.

taliaris beschreibt Glauben und Bräuche; wir behaupten nicht, dass ein Talisman eine Wirkung hat.

Fragen und Antworten

Gut zu wissen

Welcher Schutztalisman ist am weitesten verbreitet?

Die blaue Augenperle gegen den bösen Blick und die Hamsa sind heute wohl am sichtbarsten, besonders rund um das Mittelmeer und im Nahen Osten. Beide trägt man als Schmuck, und beide hängen in Wohnungen und Autos. Verlässliche Zahlen gibt es nicht, verstehen Sie dies also als begründeten Eindruck, nicht als Statistik.

Darf man ein Schutzsymbol aus einer anderen Kultur tragen?

Meist ja, wenn es mit Respekt geschieht. Erfahren Sie, was das Symbol den Menschen bedeutet, die es geschaffen haben, kaufen Sie nach Möglichkeit bei Kunsthandwerkern aus dieser Tradition, und gehen Sie mit heiligen und religiösen Gegenständen besonders sorgsam um.

Muss ein Schutztalisman gesegnet oder aktiviert werden?

Die Bräuche sind verschieden. Omamori werden in dem Schrein oder Tempel gesegnet, der sie ausgibt, während viele andere Amulette ihre Bedeutung schlicht dadurch erhalten, dass man sie verschenkt und trägt. Um einen Talisman als Stück Geschichte und persönliche Erinnerung zu schätzen, braucht es keine Zeremonie.