Talismane Indiens und des Himalaya
Ein heiliger Klang, eine Schnur aus Samen und ein Knoten ohne Ende: In Indien und im Himalaya sind Talismane meist kleine Stücke eines gelebten Glaubens.
In Indien und im Himalaya ist die Grenze zwischen Talisman und heiligem Gegenstand besonders fein. Eine Silbe, eine Schnur aus Samen oder ein verschlungener Knoten kann zugleich Mittelpunkt des Gebets, Zeichen der Zugehörigkeit und Bitte um Segen sein, und jedes dieser Dinge versteht man am besten innerhalb des gelebten Glaubens, zu dem es gehört.
Segen, Glückverheißung und Hingabe
Ein Schlüsselbegriff ist hier das : das Gespür dafür, dass manche Zeichen, Farben und Augenblicke günstig sind und Segen einladen. Das Sanskrit drückt es mit Wörtern wie mangala und shubha aus, und glückverheißende Zeichen werden auf Türschwellen gezeichnet, auf Fahrzeuge gemalt und bei Festen, Hochzeiten und Neuanfängen am Körper getragen.
Auch Schutz gehört dazu. Viele Familien hängen eine Schnur mit Zitrone und Chilischoten an die Tür, gegen den bösen Blick, auf Hindi nazar, und aus demselben Grund setzt man einem Baby manchmal einen kleinen schwarzen Punkt ins Gesicht. Zum Fest Raksha Bandhan bindet eine Schwester ihrem Bruder einen Rakhi-Faden ums Handgelenk, als Zeichen der Liebe und seines Versprechens, sie zu beschützen.
Viele dieser Gegenstände sind heilig. Man empfängt sie in Tempeln oder von Lehrern, trägt sie beim Gebet und geht sorgsam mit ihnen um, und eben dieser Rahmen der Andacht gibt ihnen ihre Bedeutung.
Ein Talisman ist hier selten nur ein Glücksbringer: Er ist ein kleines Stück gelebten Glaubens.
Materialien mit Bedeutung
Gold und Silber sind die klassischen Metalle des Segens und werden zu Hochzeiten und Geburten verschenkt. Natürliche Materialien zählen ebenso: Rudraksha-Samen und Tulsi-Holz für Gebetsketten, rot und gelb gefärbter Baumwollfaden, Sandelholzpaste, Kupfer und Muschelhorn. Viele Juweliere fertigen auch Navaratna-Schmuck, Fassungen mit neun Edelsteinen, die in der traditionellen Astrologie mit den neun Himmelskörpern verbunden werden.
Das Kunsthandwerk Tibets und des Himalaya bringt eigene Fertigkeiten ein: Treibarbeiten in Silber und Kupfer, Einlagen aus Türkis und Koralle und die alten geätzten Achatperlen, die Dzi heißen und in Tibet hoch geschätzt sind. Gebetsfahnen, bedruckt mit Mantras und glückverheißenden Bildern, flattern über Bergpässen und Dächern und tragen ihre Segenswünsche mit dem Wind davon.
Drei heilige Symbole
Om, auch Aum, ist im Hinduismus der heiligste Klang und wird auch im Buddhismus und im Jainismus rezitiert. In den frühen Upanishaden des 1. Jahrtausends v. Chr. gepriesen, eröffnet und beschließt es viele Gebete, und seine Schriftform erscheint an Tempelwänden, auf Hausaltären und an Anhängern. Für Gläubige ist es ein Zeichen des Göttlichen, deshalb möchten viele, dass es sauber gehalten, erhöht angebracht und nie als bloße Dekoration behandelt wird.
Rudraksha-Perlen sind die Samen von Bäumen der Gattung Elaeocarpus, die vom Vorland des Himalaya bis nach Südostasien wachsen. Ihr Name wird meist als Auge oder Tränen des Rudra gedeutet, eines Namens Shivas, und mittelalterliche shivaitische Texte beschreiben sie. Gläubige tragen sie als Mala, oft aus 108 Perlen, und zählen die natürlichen Gesichter, die , die jeden Samen gliedern.
Der Endlose Knoten, im Sanskrit mitunter mit dem shrivatsa gleichgesetzt, ist eines der Acht Glückssymbole des Buddhismus. Im tibetischen Buddhismus stehen seine geschlossenen, verschlungenen Linien für die wechselseitige Abhängigkeit aller Dinge und für die Einheit von Weisheit und Mitgefühl. Man malt ihn an Tempel, stickt ihn auf Stoffe und überreicht ihn als Zeichen des Glücks.
Wie die Symbole zusammenhängen
Om, Rudraksha und der Endlose Knoten stammen aus Traditionen, die sich überschneiden und doch verschieden sind. Om und Rudraksha wurzeln in der hinduistischen Andacht, wobei Rudraksha den Verehrern Shivas besonders lieb ist, während der Endlose Knoten vor allem zum Buddhismus des Himalaya gehört. Was sie verbindet, ist die gemeinsame Vorstellung, dass ein gut gestaltetes Zeichen Segen bergen und den Geist zur Weisheit hinwenden kann, das Thema unserer Seite über Weisheit und Orientierung.
Der Endlose Knoten wanderte auch nach Osten und wurde in China zu einem Lieblingsmotiv der dekorativen Knüpfkunst, nachzulesen bei den Talismanen aus China und Japan. Seine verschlungene Form hat ihn außerdem zu einem beliebten Geschenk unter Freunden und Paaren gemacht, wie unsere Seite über Liebe und Freundschaft erklärt.
Diese Symbole mit Respekt tragen
Besucher und Menschen anderer Religionen sind in der Regel willkommen, einen Om-Anhänger oder eine Rudraksha-Mala zu tragen, und beides wird an Tempelständen vielfach angeboten. Ein paar einfache Gewohnheiten zeigen Respekt: Halten Sie heilige Symbole von den Füßen und vom Boden fern, legen Sie sie nach Möglichkeit ab, bevor Sie ins Badezimmer gehen, und meiden Sie sie auf Dingen wie Schuhen, Fußmatten oder Badebekleidung.
taliaris beschreibt Glauben und Bräuche; wir behaupten nicht, dass ein Talisman eine Wirkung hat.